Die eigene Panzerung schmelzen

Fitness im Frühling - reicht das?

Im Frühling treibt es Mann und Frau ins Freie. Es bleiben nur noch wenige Wochen, um die gewünschte Bikinifigur hinzukriegen. Der Körperkult ist gesell-schaftsfähig. Besprochen wird die Traumfigur in der Kaffeepause, in Blogs und in Zeitschriften mit Empfehlungen für Diäten, gesunde Ernährung und mit jeder Menge Fitnesstipps. Doch wie steht es denn um die emotionale Gesundheit?

Wahre Friedensarbeit

Hier eine gewagte Hypothese: Wäre die Pflege der emotionalen Gesundheit erfolgreich, würden Diäten und zwanghaftes Training möglicherweise hinfällig. Vielleicht geschähe sogar noch etwas Paradoxes: Sie würden sich sowohl verbundener als auch unabhängiger fühlen. Und anschliessend, vielleicht ohne Druck und Stress aber aus Liebe zu sich selber, mehr in Bewegung kommen und auch gesünder speisen als heute. Wer weiss?

Erfahrungsgemäss hat das Erwecken des eigenen Mitgefühls die Macht, Panzerungen zu schmelzen. Es macht wahrhaft beweglicher, freier in Körper und Geist. Mitgefühl für sich selber zu haben, bedeutet unter anderem, dass Sie liebevoller auf sich und Ihre schein-baren Unzulänglichkeiten blicken können. Dass Sie Ihrem Körper langsam die Zuwendung geben die er benötigt, statt ihn zu peitschen. Es unterstützt Sie, sich an Ihre schlummernden Kompetenz zu erinnern und sich weniger zu verurteilen. Sie treten in authentischen Kontakt mit sich selber.

Mitgefühl für sich selber zu erwecken bedeutet gleichzeitig, das Selbstgefühl zu stärken. Schon dies allein hätte die Kraft, Ängste zu vermindern, mehr Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl zu erlangen und nicht zu vergessen, Mitgefühl für andere zu entwickeln. Dies wiederum hätte die Macht die Panzerung bei anderen schmelzen. Das wäre ein Gewinn für uns alle und wahre Friedensarbeit im engsten Umfeld.

Wie funktioniert Mitgefühl? Und wie nicht?

Sich in Mitgefühl und Liebe zu üben, heisst mitnichten, sich unerwünschten Gefühlen zu widersetzen oder sie zu ignorieren. Mitgefühl darf auch nicht verwechselt werden mit aufopfernder Fürsorglichkeit gegenüber anderen. Sich in Mitgefühl zu üben, beginnt als erstes bei Ihnen; mit Mut und dem Willen, sich auf Ihre Gefühle und Körperempfindungen einzulassen sowie die Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Es braucht Zeit und somit auch Geduld von Ihrer Seite. Und es klingt einfacher, als es ist. Denn viele Ihrer bisherigen, gut funktionierenden Bewältigungsstrategien werden hinfällig. Doch üblicherweise lassen die sich nicht einfach abservieren! Ehrlich gesagt, wäre das auch nicht fair - schliesslich haben sie Ihnen viele Jahre lang treu gedient.

Im Prozess der Erweckung des Herzens begegnen Sie möglicherweise unerwünschten Gefühlen wie Trauer, Wut oder Scham. Wie wäre es da, wenn Sie sich dabei liebevoll begegnen könnten? Der erste Frieden, um den wir uns kümmern, ist also der in uns selber. Ihre wütenden Anteile wollen gehört werden. Die Trauer drückt Ihr Bedürfnis aus, in Verbindung zu bleiben. Und der Neid steht für alle Ihre Wünsche, die allein durch ihre Abwesenheit glänzen. Alles berechtigte und kompetente Informationen und wichtige innere Prozesse. Vielleicht der Anfang für neue Handlungsweisen.

Empirische Feldforschung für Sie

Sind Sie manchmal auf sich selber wütend? Gibt es die Situation, wo Sie sich ganz schändlich beschimpfen? Innerlich im Selbstgespräch oder sogar laut?

Wenn Sie nun einfach bei sich selber beginnen würden mit der Friedensarbeit? Gerade wenn Sie merken, dass Sie wieder so richtig losgelegt haben. Sie könnten sich einfach einen Ruck geben und sich selber trösten statt zu beschimpfen. Oder sie könnten es mit Nachsicht, Verständnis und Grosszügigkeit versuchen. Auch wenn Sie es anfangs nicht fühlen könnten, hätten Sie zumindest etwas anderes gemacht als üblich.

Fake it, 'til you make it! Sie könnten ja erst einmal einfach so tun als ob. Immer wieder. Nachsicht. Verständnis. Grosszügigkeit.

Mit Liebe,

Claudia Patricia Kronenberg

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